Partnerschaft…

„Verhalte dich wie ein Partner“ – das ist ein Teil der acht Prinzipien; und zwar für Menschen wie für Pferde…

Kürzlich bot sich mir ein spannendes Beispiel dieses partnerschaftlichen Verhaltens – völlig unerwartet…

Ich plante eine Session mit einem anderen Pferd, nahm aber meine Stute ebenfalls mit auf den Grasplatz. Ich führte sie in eine Ecke, wo es noch am meisten Gras hatte und „parkierte“ sie da. Während ich mit dem Jungpferd zugange war, graste sie friedlich auf ihren paar Metern.

Ich legte der Jungen ein kleines Stämmchen hin zum Drüberspringen, bzw. „squeezen“. Sie kannte das schon mit der Begrenzung vom Zaun, frei im Raum war jedoch neu. Sie war an diesem Tag sehr extrovertiert und hatte ganz tolle Pläne, bloss über das Stämmchen – das gehörte nicht zu ihrem Plan. Während ich ihren fast sekündlich wechselnden Ideen gerecht zu werden versuchte, nahm ich wahr, wie sich meine Stute grasenderweise aus ihrer Ecke näherte, neben dem Stämmchen parkierte und so eine „Bande“ bildete. Und Zack! war die Kleine drüber, hin und her und hin und her.

Meine Grosse wanderte daraufhin grasend wieder zurück in ihre Ecke und ich schickte ihr ein leises „Danke!“ hinterher.

Sie hat mir ungerufen geholfen und ich musste das Stämmchen nicht zuerst zurück an die Bande schleppen…

Ein paar Gedanken zum Verladen…

…Pferde verladen ist immer und immer wieder ein Thema; und ich glaube, es existieren mindestens soviele Methoden, wie es Reiter gibt! Die meisten davon funktionieren in der Regel auch…irgendwie…früher oder später… Und manchmal ist man dann einfach froh, wurde niemand verletzt und gabs keinen Ehekrach, oder?

Ein Pferd, das von Natur aus klaustrophobisch ist, in einen Anhänger zu bewegen, ist eine der ultimativen Herausforderungen für den Menschen. Und oftmals vergisst man in seinem „Direct-Line“-Denken dabei jegliche Höflichkeit gegenüber seinem vierbeinigen Partner.

Fürs Pferd spielt es eine wesentliche Rolle, ob es verladen wird oder ob es sich selber verladen darf – so komisch dies auf den ersten Blick auch klingt. Wenn ichs mit mir persönlich vergleiche: Ich hab‘ eine absolute Höllenangst in tiefem Wasser, ganz fies! Stellt euch nun mal vor, ich müsste von einem 2m-Sprungbrett springen – und weil alle rundherum ein bisschen im Zeitdruck sind, werd‘ ich schlussendlich reingeschubst… Denkt ihr, ich werde je nochmals von mir aus einen Versuch unternehmen, meine Angst vor dem Sprungbrett zu überwinden? Ich denke, so ähnlich fühlt sich ein Pferd, das schlussendlich einfach irgendwie in den Hänger „reingeschubst“ wird – mit Longen, Besen und starken Männern…

Einem Pferd zu helfen, zu lernen, sich selber zu verladen, bedeutet sich Zeit zu nehmen – je nachdem sehr, sehr viel Zeit. Geduld zu haben. Das richtige Timing. Wissen, was man tut. Wissen wir doch alles schon, oder…? Bis irgendwann dann die Geduld trotzdem zu Ende ist. Wir nicht mehr weiter wissen. Oder ich in einer Stunde den nächsten Termin habe. Die Emotionen langsam in uns hochkriechen und wir Lust hätten, dem blöden Gaul halt trotzdem vielleicht mal so richtig eins…..!! Na, erwischt? 😉

Über Vorgehen und Strategien werde ich hier nichts schreiben – weil es ganz einfach kein Patentrezept gibt. Jedes Pferd mit seiner Verladegeschichte braucht seine eigene Strategie und die bedeutet oft weit mehr, als direkt am Anhänger Verladen zu üben. Wer hier mehr dazu lernen möchte, findet beispielsweise bei Parelli Natural Horsemanship viele Grundlagen dazu.

Einige Gedanken zum Verladen möchte ich hier dennoch festhalten:

  •  „Das Problem ist nicht der Anhänger“ – oder die Frage: ist das Vertrauen meines Pferdes in mich so gross, dass es mit mir von seiner Herde weggeht, egal wohin? Wenn nein, was muss ich tun, damit mein Pferd ja sagt, wenn ich frage, ob es mitkommt?
  • Gutes Verladen und Transportieren hängt nicht allein davon ab, ob und wie das Pferd in den Transporter geht, sondern auch davon, wie es ihn wieder verlässt? Oft wird dem Einladen sehr viel Beachtung geschenkt und geübt – aber das Ausladen „passiert“ dann einfach. Können wir das Ausladen ebenso gut werden lassen, wie das einladen? Was könnte es für Gründe haben, wenn das Pferd nach dem Transport aus dem Anhänger stürmt, obwohl das Einladen super ging?
  • Stress bewusst abbauen. Stress erhält sich sehr lange – auch wenn die stressauslösende Situation schon lange vorbei ist. Stell dir zum Vergleich folgende Situation vor: Du arbeitest in einem Grossraumbüro. Plötzlich stürmt der Chef rein und bringt den ganzen Laden durcheinander – arbeiten da alle gleich wieder konzentriert weiter, wenn er zur Tür raus ist? Oder wie lange dauert es, bis sich alle wieder beruhigt haben? Ebenso ergeht es dem Pferd in Stresssituationen. Mit gezielten Strategien können wir ihm helfen, Stress abzubauen und zu lernen, mit Situationen, die Stress und Druck bringen, besser umzugehen.
  • Step by Step – langsam einsteigen, langsam aussteigen. Je schneller ein Pferd in den Anhänger hineingeht, desto schneller kommt es auch wieder heraus.

 

Merry christmas & a happy new year!

Liebe Pferdefreunde

unglaublich, wie schnell ein Jahr vorbei sein kann, oder? Mir jedenfalls gehts grad so…
Vieles ist im Tun und im Umbruch – mit ein Grund, warum der Blog etwas warten musste im letzten halben Jahr.
Ab Frühling 2014 wird er dann jedoch wieder reaktiviert – versprochen 🙂

Bis dahin wünsche ich euch wunderschöne friedliche Weihnachtstage mit euren , Familien, Freunden und Vierbeinern und dann schon bald einen guten Rutsch in ein glückliches gesundes neues Jahr!

Keep it natural!
Cornelia

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